Hausarbeiten

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Hausarbeiten
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Zwei Studentinnen sitzen in der Cafete in der Uni-Bibliothek und unterhalten sich.

Studentin 1: Ich bin so müde. Ich müsste am Freitag eigentlich einfach mal schlafen.

Studentin 2: Dann mach das doch.

Studentin 1: Ich muss die Hausarbeit in zehn Tagen abgeben. Ich könnte das machen, wenn ich schon wüsste, worüber ich schreibe. Aber ich bin ja noch in der Findungsphase.

Studentin 2: Ich bin froh, wenn die Gruppenarbeit abgegeben ist. Wenn man in der Gruppe schreibt, ich muss sagen: Das ist nicht unbedingt hilfreich. Manchmal denke ich, alleine ginge es deutlich schneller.

Studentin 1: Ich muss eigentlich drei Hausarbeiten schreiben, aber eine schiebe ich.

Studentin 2: In was denn?

Studentin 1: Englisch, aber die kann ich auch später abgeben. Vielleicht schaffe ich es, sie über das Semester zu schreiben.

Studentin 2: Das schafft man nie.

Studentin 1: Ich muss ja nur drei Tage in die Uni und einen Tag arbeiten und habe ein langes Wochenende. Das sollte doch möglich sein.

Studentin 2: Das mit der Schulbegleitung klappt übrigens super.

Studentin 1: Wen betreust du denn?

Studentin 2: Ein Mädchen, das im Rollstuhl sitzt. Kognitiv ist die fit, ich muss sie nur körperlich unterstützen.

Studentin 1: Du musst also den Rolli schieben?

Studentin 2: Nein, das kann sie alleine. Aber ich helfe, wenn sie auf Toilette muss oder an ihren Spind. Ansonsten kann ich parallel lernen.

Studentin 1: Das ist natürlich gut.

Studentin 2: Sie kommt nicht an ihren Spind, weil sie einen ganz oben hat. Da kommt sie aus dem Rollstuhl einfach nicht dran.

Studentin 1: Aber es gibt auch unten Spinds?

Studentin 2: Ja, ich verstehe das nicht.

Studentin 1: Und wie viel verdienst du?

Studentin 2: Zehn Euro pro Stunde. Ich bin ja keine ausgebildete Schulbegleiterin. Weil es ja auch nicht so anstrengend ist und ich lernen kann, sind zehn Euro in Ordnung.

Studentin 1: Wenn ich in einer Stunde immer noch nicht reingefunden habe, gehe ich nach Hause. So hat das einfach keinen Sinn.

Studentin 2: Ich gehe manchmal nach Hause und komme dann wieder.

Studentin 1: Ja, das könnte ich natürlich auch machen: ein bisschen schlafen und dann wiederkommen. Mal sehen.

Ledersofa

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Zwei Männer um die 50 sitzen bei Kaffee und belegten Brötchen zusammen.

Mann 1: Warum kein Ledersofa?

Mann 2: Ich glaube, meine Frau traut sich nicht so recht.

Mann 1: Das muss man einsitzen. Versuch das mal!

Mann 2: Was sagst du zu dem ganzen VW-Diesel-Skandal?

Mann 1: Es ist wie bei den Versicherungen: Solange die es nicht übertreiben, macht keiner etwas. Irgendwann kaufen wir uns ein E-Auto und stellen dann fest, es war gar keins.

Mann 2: Was habe ich neulich gelesen? Der Phaeton wird nicht mehr produziert. Die bauen jetzt da E-Golfs.

Mann 1: Beim Sofa ist es wie bei Anzügen: So richtig weiß man nicht, warum man sich für eines entscheidet.

Mann 2: Doch, weil es bequem ist.

Ach Oma!

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Oma
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Mutter und Oma setzen sich an den Nebentisch, während das etwa zweijährige Mädchen verträumt über den Platz schaut.

Oma: Komm zur Oma!

Keine Reaktion.

Oma: Marie, komm mal zur Oma!

Keine Reaktion.

Oma: Komm doch mal zur Oma!

Mutter: Lass sie doch! Sie will gucken. Das letzte Mal ist sie hier über den ganzen Platz gerannt.

Oma: Und wer ist ihr hinterher gerannt?

Mutter: Ich natürlich!

Das Mädchen geht zur Oma, die nimmt es auf den Schoss. Die Kleine futtert Hirseflips aus einer Tüte, auch Oma greift hin und wieder hinein.

Mutter: Hast du jetzt etwa auch von den Hirseflips gegessen?

Oma: Ja?

Mutter: Sie isst so eine ganze Tüte, dann ist sie satt! Dann kannst du ihr jetzt beim Bäcker noch ein Brötchen kaufen gehen.

Oma, bedröppelt, nimmt das Kind an die Hand und marschiert zur Bäckerei. Nach zehn Minuten sind beide wieder da.

Oma: Und morgen musst du dann zum Termin?

Mutter: Du bringst echt alles durcheinander. Das ist am Mittwoch. Und Frank hat parallel sein Bewerbungsgespräch. Da muss er ja wohl hingehen.

Oma nickt stumm.

Champagner

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Champagner
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Zwei Männer Mitte 50 beim Mittagessen, der eine mit silbernem Haar und schwarzer Lederjacke, der andere mit grauem Pullover und Brille.

Mann 1: Mich hat der komplett 180 gekostet, dieser Aufenthalt.

Mann 2: Mich hat er nur 100 gekostet, warum das denn? Taxi oder was?

Mann 1: Ich habe eine Flasche Moët gehabt, da hat der mir 60 für abgenommen, eine Flasche Wein, da hatte ich schon 85 Euro.

Mann 2: Dann war es nicht Moët, sondern eine andere Sorte.

Mann 1: Da kamen die Weiber, die habe ich abgewehrt. Die Tina, die etwas korpulentere.

Mann 2: Die Tina, die hat sich ja verdreifacht. Ich habe 120 gezahlt, glaube ich. Ich habe ja noch 10 Euro Trinkgeld gegeben.

Mann 1: Die hat für mich gekocht und meinte: Das mit dem Essen, das kostet dich eine Flasche Champagner. Da habe ich Champus bestellt, da waren sie plötzlich alle da. Der Siggi hat mich dreimal angerufen, der will mir sein Auto verkaufen, dieses komische Monster, das hat einen Motorschaden. Ich habe gesagt: „Gib mir 100 Euro, dann hole ich es ab“. Ich habe von dem einen SL gekauft. Einen anderen wollte ich auch kaufen, aber dann sagt der: „Den habe ich doch schon verkauft“. Hat er irgendwo 300 mehr für bekommen. Anstatt, dass er mir sagt: „Ich will 300 mehr“. Ich habe dem mal eine Backpfeife gegeben, seitdem ist er mein bester Freund.

Mann 2: Er meint auch, er wäre der absolute Womanizer.

Mann 1: Sagt der zu mir, er hat die angebaggert. Als wäre er einzige Mann in Bonn, der die angegraben hat. Peter hat die mit zum Gänseessen gebracht, die hat sich benommen! Drei haben abgesagt. Da habe ich gesagt: „Tu mir noch so ein Gänschen!“ Aber ich habe das bezahlt. Sie hat sich alles eingepackt – die einzige, die nichts bezahlt hat. Die ist doch auch in allen Internetportalen drin. Als ich das gehört habe, war es vorbei. Da sitze ich mit der auf dem Bärenfell vor dem Kamin und die schreibt mit anderen. Sie hat ihre Wohnung vermietet und wollte dann bei mir einziehen. „Ich kann doch bei dir wohnen.“ Ich habe gesagt: „Du spinnst doch“. Sie wollte sich auf Teneriffa ein Haus kaufen. Sie sagt: „Komm doch mit!“ Ich sag: „Ich kenn dich doch gar nicht“. Ich bin froh, dass ich mit den Kindern nichts mehr zu tun habe. Der Stefan ist immer im Schlafanzug rumgerannt, aus Wolle, und sie halb nackt. Die haben nicht miteinander geredet, die haben nur geschrien. Als die so zehn, zwölf Jahre alt waren, da ging es, aber danach?

Mann 2: Hat die Krach mit der Sabine?

Mann 1: Muss ja. Ich muss los, ich geh jetzt zur Reinigung, zur Sonnenbank und dann ins Bett.

Kongolesen

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Schwarz
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Ein Typ Ende Zwanzig, schwarzes T-Shirt, rötlicher Bart, sitzt mit zwei Freundinnen in der Sonne.

Er: Ich komme morgens da an, da sitzt einer auf der Wiese und sagt zu mir, meine Lederjacke wäre voll scheiße. Da habe ich kurz gestutzt. Das war ein Brauner.

Sie: War das ein Afro-Amerikaner? Oder wie heißen die anderen?

Er: Kongolesen?

Sie: Nein, ich meine, wie heißen die denn in den USA?

Andere Sie: Latinos?

Sie: Ja, genau.

Er: Nein, der war schon so richtig schön schwarz. Jedenfalls habe ich ihn dann zurückgedisst und das ging hin und her. Total geil! Ich meine, der ist schwarz, benutzt Schimpfwörter, rappt –fehlt nur noch, dass er klaut.

Alle drei lachen laut.

Er: Also, ich bin ja noch im Referendariat und muss danach sehen, dass ich auch eine Job finde. Aber in dem Moment dachte ich: Was für ein geiler Job! Ich kann einfach jeden Tag dahin gehen, mit den Kids rumhängen und werde dafür bezahlt!

On und off

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"Ich will nicht so lange im Regen laufen – ich habe gerade meine Haare gemacht."
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Zwei Mädchen, vielleicht 14 Jahre alt, ich nenne sie Leonie und Ashley, beiden in Grau und Schwarz gekleidet, die Augen dunkel geschminkt, sitzen im Café ohne etwas zu essen oder zu trinken.

Leonie: Hast du Hunger? Ich habe Hunger. Ich will was essen!

Ashley: Gerade nicht.

Leonie: Bis du breit, es abzuschicken?

Ashley: Ja!

Leonie: Was haben wir noch mal geschrieben?

Ashley zeigt ihr das Handy. Leonie liest.

Leonie: Okay, ich warne dich jetzt vor. Er wird schreiben: „Was soll ich denn sagen?“

Ashley tippt ins Smartphone. Leonie beugt sich darüber, um mitlesen zu können.

Leonie: Nein, ohne Lachsmiley! Das ist nicht witzig, okay!? Das kommt so möchtegern-cool rüber. Das bist du nicht. Du bist echt cool! Gehst du jetzt off? Ich bin immer auf dem Chat und warte, bis er on kommt. Dann gehe ich runter.

Ashley: Gestern haben wir so viel geschrieben!

Leonie: Ja, ich habe immer gesehen: Ashley online, Ashley online, Ashley online. Ich habe davon geträumt, dass das Handy angekommen ist und hinten so wie bei Niklas komplett eingerissen war. Meinst du denn, dass du gleich Hunger bekommst? Ich würde gerne zu Pizza Hut. Du kannst da ja auch ne Kleinigkeit essen. Eigentlich wollte ich zu McDonalds. Letztens haben wir da einen Nachtisch gegessen, so ein fettes Teil, ich kann das nicht beschreiben, außen Kuchen und innen so weich. Sooooo cool. Ich habe gestern mit Marie telefoniert.

Ashley: Und ?

Leonie: Sie war super pissed, dass ich ihr nichts von meinem neuen Smartphone erzählt habe und DAS erzählt sie dann nicht. Sie meinte: „Hast du das von Ashley gehört?“ Ich habe gesagt, dass wir telefoniert haben und meinte dann so aus Spaß: „Seid ihr jetzt eigentlich zusammen?“ Sie: „Er hat mich gestern gefragt.“ Ich:“Als ob du mir das gestern nicht erzählt hast!“ Sie:“Ich dachte, dass dir das nicht recht ist.“

Ashley nimmt ihr Smartphone vom Tisch auf.

Leonie: Ich will gucken, ich will gucken!

Ashley schüttelt matt den Kopf.

Leonie: Oh, nicht das er jetzt darüber nicht schreiben will und extra nicht on kommt. Das sind Jungs, ne! Es regnet, Ashley. Juhu!

Ashley: Er meinte, dass er mich mag.

Leonie: Darf ich mal lesen?  Sie scrollt eine ganze Weile konzentriert durch den Chat. Also irgendwie ist das alles ganz süß. Ich hoffe nur, dass er dich nicht anlügt.

Ashley: Dass er es ernst meint.

Leonie: Ja, genau. Sollen wir zu Pizza Hut gehen?

Ashley: Okay, ich will nicht so lange im Regen laufen – ich habe gerade meine Haare gemacht.

Leonie: Hast du denn jetzt Hunger?

Ashley: Der kommt bestimmt, wenn wir da sind.

Leonie: Ja, wenn man das riecht.

Beide springen auf und rennen aus dem Café.

Leben und Tod

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„Wer Leben kann, kann auch Sterben: Das ist Gesetz.“
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Drei Frauen Mitte Zwanzig, zwei zierliche Blonde, eine Hochschwangere mit langen schwarzen Haaren, sitzen beim Mittagessen zusammen.

Frau 3: In welcher Woche bist du jetzt genau?

Frau 1: In der 17.

Frau 3: Plus?

Frau 1: 1 oder 2.

Frau 3: Dann bist du ja schon im vierten Monat!

Frau 1: Ja, man sieht noch nichts.

Frau 3: Zugenommen hast du nicht, oder?

Frau 1: Nee, nicht.

Frau 2 (zu Frau 3): Bei dir ist das ganz plötzlich gekommen, oder?

Frau 3: Ich habe nur ein Kilo in den ersten drei Monaten zugenommen.

Frau 2: Nein, ich meinte, dass man den Bauch sieht.

Frau 3: Ja, das kam über Nacht.

Frau 1: Lange konnte man nicht sicher sagen: Ist sie schwanger, oder nicht?

Frau 2: Auf dem Bauch schlafen geht aber nicht mehr, oder?

Frau 3: Doch, so seitlich. Aber die letzten Nächte kann ich gar nicht mehr schlafen.

Frau 1: Ich habe mich schon gewundert, dass du noch wach warst. Ich bin ja ein Nachtschwärmer mit Hassan. Hassan und ich zusammen wir vergessen an einem Tag die Zeit und bleiben bis 2 Uhr wach, am nächsten Tag gehen wir dann um 10 ins Bett.

Frau 3: Gestern habe ich geträumt, dass Kerim mit einer anderen rummacht. Ich bin aufgewacht und habe mich so aufgeregt. Dabei hat er noch am Abend vorher zu mir gesagt, wie sehr er mich liebt und wir zusammen gehören und ich habe gesagt, dass ich immer nur an Kerim denke. Er hat gesagt: „Reg dich bitte nicht auf, sonst kannst du nicht schlafen“.

Frau 1: Lustig, da ist so eine Angst da, die ich früher nicht hatte.

Frau: 2: Ich habe voll Angst, den Kerim zu verlieren.

Frau 1: Ich träume auch ständig komische Sachen. Letzte Nacht habe ich geträumt, dass wir ein fremdes Kind aufgenommen haben. Es war sehr schlecht von den Eltern behandelt worden und deswegen schwierig. Hassan hat gesagt: „Wir müssen das Kind zurückgeben. Ich will kein gebrauchtes Kind“. Das war schrecklich.

Frau 3: Ich habe momentan einfach voll Angst.

Frau 2: Ich habe mal gelesen, dass Gedanken an den Tod normal sind, wenn ein neues Leben entsteht. Wer Leben kann, kann auch Sterben: Das ist Gesetz.

Frau 1: Ich denke manchmal daran, weil wir immer älter werden. Jetzt bekommen wir schon Kinder!

Frau 2: Meine Mutter sagt: Hauptsache es geht DIR gut, dann kommt das Kind.

Frau 1: Jede Mutter denkt eben zuerst an IHR Kind.

Frau 3: Ich habe Kerim gefragt: „Wen würdest du retten? Mich oder das Kind?“ Er hat zu mir gesagt: „Dich natürlich, aber das müssen wir dem Kind ja nicht verraten.“ Ich habe gesagt: „Ich würde euch beide retten.“

Frau 2: Ich glaube, es gibt nichts Schlimmeres, als wenn das Kind stirbt.

Frau 1: Ich bin der Meinung, dass die Eltern sterben, wenn das Kind stirbt. Die Beziehungen gehen dann häufig kaputt. Oft passiert ja auch etwas, dass das Kind zum Beispiel in einen Teich fällt, während der eine aufpassen sollte. Wenn der Partner stirbt, halten das Kind und der andere aber eher zusammen, die Beziehung wird dann noch enger.

Sprachnachrichten

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Sprachnachricht
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Eine Abiturientin sitzt allein im vollbesetzten Café. Sie trägt Jeans, einen hellblauen Pullover, braune Stiefel, die Haare zum strengen Pferdeschwanz gebunden, dicke Brille, die Fingernägel rot lackiert. Während sie auf eine Freundin wartet, holt sie ihr Smartphone aus der Tasche und beginnt laut und deutlich hineinzusprechen:

Der Oma geht es nicht sehr gut. Die hat einen Katheter gelegt bekommen und das Sitzen tut ihr mega weh. Die würde sich auf jeden Fall sehr freuen, wenn ihr euch mal bei ihr meldet. Also meldet euch mal! Liebe Grüße!

Sie sendet die Sprachnachricht ab und beginnt dann wieder ins Smartphone zu sprechen:

Mein Schatz. Ich habe gerade erst gelesen, dass es dir so schlecht geht. Ich hoffe, es ist schon etwas besser! Mein Vater hat die echte Influenza. Dem ging es mega schlecht. Der lag nur im Bett und konnte sich gar nicht bewegen. Aber inzwischen geht es wieder etwas besser.

Ich hoffe, du hattest schöne Karnevalstage mit deinen Jungs. Bei mir war es sehr cool. Ich habe zweimal gekotzt, einmal in die Bahn. Das war nicht so cool. Und am Freitag in dieser Stadthalle war es super scheiße. Wir haben uns vorher nicht erkundigt. Die Getränke waren da super teuer. Wir haben kaum etwas getrunken.

Ich hoffe, dir geht es gut. Grüße mal deine Eltern und die Jennifer von mir. Ich hab dich mega lieb.

Sie küsst das Smartphone, schickt die Nachricht ab und legt es auf den Tisch.

Kein Erziehungserfolg!

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Eine junge Mutter sitzt mit ihrem einige Monate alten Baby und einer Freundin bei zwei Tassen Cappuccino zusammen. Sie mit grauem Wollpullover in Übergröße und Ugg Boots. Die Freundin ist komplett in schwarz gekleidet und hat ihre Haare zu einem dünnen Dutt am Hinterkopf gebunden.

Junge Mutter: Ich glaube, es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt für mich, mit dem Abpumpen anzufangen.

Freundin: Du musst schon eine Weile pumpen, bis der Spendereflex einsetzt. Es ist etwas ganz anderes, ob die Pumpe oder das Kind saugt. Das ist aber eigentlich eine super Pumpe!

Junge Mutter: Ich habe überlegt, mir eine Elektropumpe verschreiben zu lassen.

Freundin: Ich fand das total gut mit der Handpumpe.

Junge Mutter: Meine Frauenärztin meinte, es ist oft auch Kopfsache bei den Frauen dass sie das eigentlich nicht wollen und es deswegen nicht funktioniert, egal mit welcher Pumpe. Aber ich wollte es trotzdem mit der Elektropumpe ausprobieren. Und es hat funktioniert. Es ist auch beruhigend zu sehen, wie viel da in zehn Minuten rauskommt. Ich denke jetzt: Okay, das ist eine ganze Menge. Vorher habe ich beim Stillen immer gedacht: In nur fünf Minuten kann sie doch nicht satt werden.

Freundin: Probier die Handpumpe nochmal! Ich fand die so schön. Nicht, dass du denkst, ich hätte dir irgendeinen Schrott gegeben. Wie geht es dir denn?

Junge Mutter: Sie schläft halt nur zwei bis drei Stunden am Stück. Ich habe mir immer Gedanken darüber gemacht, ob ich irgendetwas falsch mache. Alle zwei, drei Wochen habe ich so einen Ausflipper, ich kann dann nicht mehr. Tagelang bin ich ganz normal, weil ich alles kompensieren kann. Für Marius ist das immer ein Schock, wenn ich dann plötzlich ausraste. Inzwischen habe ich mich aber damit abgefunden. Es wird etwas besser, weil ich geschnallt habe, dass es kein Erziehungserfolg ist, wenn dein Kind länger schläft. Es ist eben entweder so oder so.

Freundin: Es ist auch nicht normal, dass ein Kind zehn Stunden am Stück schläft. Ich habe dir ja von dem Baby meiner Schwiegermutter erzählt. Die hat immer geschlafen, immer, in der Tasche, überall. Die ist auch heute noch so, sitzt einfach ruhig da, schon auch ein bisschen kümmerlich.

Junge Mutter: Ich denke: Dafür haben wir sonst so ein Glück. Alles ist super. Aber wenn eine in den Raum kommt mit strahlenden Augen und sagt: „Mein Kind schläft schon durch“ – das setzt die anderen unter Druck. Ich bin in so einem Babykurs. Die Frau, die den leitet, hat auch gesagt: „Das ist kein Erziehungserfolg“.

Freundin: Schläft sie bei euch im Bett?

Junge Mutter: Ja. Am Anfang hatte ich sie in der Babybay neben unserem Bett. Aber irgendetwas in mir hat gesagt: „Hol sie wieder zu dir!“ Es nervt mich, dass das mit dem Schlafen immer thematisiert wird. Gestern habe ich mit meiner Schwester telefoniert. Sie hat sofort gesagt: „Das klingt, als ob sie nicht genug zu essen bekommt. Gibt ihr doch mal ein bisschen Brei am Abend. Dann schläft sie durch.“ Meine Kursleiterin sagt, das ist Unsinn, weil wenn sie schwer essen, dann haben sie mehr mit der Verdauung zu tun. Und dann hat meine Schwester gesagt: „Wenn es daran nicht liegt, musst du sie einfach schreien lassen. Sie fängt sonst an, dich zu erziehen.“ Ja klar! Ich habe aufgelegt. Das konnte ich echt nicht gebrauchten. Warum wissen andere immer alles besser?

Freundin: Das geht mir genauso. Ich komme mir dann immer vor wie ein kleines Mädchen, das keine Ahnung hat. Die anderen bringen das immer so überzeugend rüber. Dabei wissen sie es aber oft gar nicht wirklich besser.

Junge Mutter: Mit Kind bekommst du noch viel mehr davon ab. Jeder hat Ratschläge.

Die Wurst

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Er: graue Fleecejacke, silbernes Haar – sie: Kurzhaarschnitt, runde Brille mit bunt gemusterten Bügeln, Wanderschuhe, sitzen beim gemeinsamen Mittagessen.

Sie: Meinst du, das ist jetzt fertig?

Er: Ich kann dir das gerne holen gehen.

Sie: Ich kann das auch selbst holen gehen.

Er: Ich gehe schon.

Sie: Wenn du es holen gehst, dann freue ich mich. Wir essen ja auch beide davon.

Er geht los und kommt wenige Minuten später mit einer Portion Currywurst-Pommes wieder.

Er: So, bitte schön.

Sie: Was für ein Service! Und Messer und Gabel gibt es auch dazu!

Er: Ja, und das ganz ohne Auftrag!

Sie: Toll, was ich hier alles kriege! Du willst doch auch, oder?

Er: Ja, ich will auch etwas davon.

Sie: Dann tu mal deinen Kuchen beiseite.

Er: Ja, gleich.

Sie: Aber es ist doch jetzt warm!