Einfach eine Frau

Kommentare 2

Teilen bei ...

Zwei Männer zwischen 50 und 60 beim Mittagessen. Einer mit nach hinten geöltem Haar und emarkantem Gesicht, mit dem er auch einen charismatischen Hollywood-Mafioso spielen könnte. Der andere im beigen Pullover, die dunkelgrauen Haare drehen sich im Nacken zu kleinen Locken.

Mann 1: Da bist du ja schon! Kannst du mir 200 Euro wechseln, die nehmen das in dem Laden gegenüber nicht an.

Mann 2: Ja, kann ich. Bei mir nehmen die das immer an.

Mann 1: Man riecht das wahrscheinlich: Ich habe gerade mein Aioli gemacht.

Mann 2: Machst du das mit oder ohne Ei?

Mann 1: Nein, das geht immer ohne, wie bei Mayonnaise. Einfach Knoblauch – ich hab kein Sonnenblumenöl gehabt.

Mann 2: Du kannst doch auch Olivenöl nehmen.

Mann 1: Nein, das mag ich nicht. Also Öl und Milch, ein bisschen Pfeffer. Das wars. Und ich habe zwei Gläser von diesen Shrimps aufgetaut, die ich gekauft habe.

Die Kellnerin, eine quirlige junge Frau mit Brille, Typ Germanistikstudentin, bringt eine Portion Rührei und ein Nudelgericht.

Kellnerin zu Mann 1: Der grüne Tee, den du mir besorgt hast, ist der Hammer!

Mann 1: Wie bitte?

Kellnerin: Der grüne Tee ist der Hammer!

Mann 2: Ich hatte schon verstanden, er – nickt in Richtung Mann 1 – ist der Hammer.

Kellnerin: Ja, das sowieso! Sie lacht beim Weggehen.

Mann 2: Sie ist so eine nette, offene Frau. Eine zum Mitnehmen, he!?

Mann 1: Hör auf damit. Sie ist nett zu uns, ich bin nett zu ihr – das ist alles.

Mann 2: Komm schon, da geht doch was! Sie ist eine Superfrau.

Mann 1: Jetzt hör auf damit, wirklich! Sie ist eine Frau, einfach eine Frau, ein Mensch.

Beziehungsweisen

Schreibe einen Kommentar

Beziehungen
Teilen bei ...

Ein Ende Zwanzigjähriger – brauner Hoodie mit Reißverschluss, Dreitagebart – sitzt am Nebentisch. Eine Frau um die 30 setzt sich dazu.

Sie: Wartest du schon lange?

Er: Ja, mindestens eine halbe Stunde. Ne, Scherz! Ich bin eben erst gekommen.

Beide bestellen hausgemachte Limonade.

Sie: Du hast mir übrigens nach dem letzten Abend geschrieben: „Ich hoffe, du bist noch mit einem schlechten Gefühl nach Hause gegangen.“

Er: Scheiß Autokorrektur!

Sie: Ich dachte mir schon, dass das „nicht“ heißen soll. Aber sehr lustig, dass es trotzdem ein grammatikalisch sinnvoller Satz war. Ich hätte nicht gedacht, dass du dich meldest, nach dem Abend. Also, es ist so: Ich habe verschiedene Beziehungen. Mit der einen bin ich verheiratet. Alle wissen natürlich über die anderen Bescheid. Ich finde dich großartig, von Anfang an. Aber ich fände es schön, wenn das zwischen uns unkompliziert bleiben würde.

Er: Das wünsche ich mir auch.

Sie: Ich möchte mit dir befreundet sein können.

Er: Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Sie: Mehr kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Ich glaube, ich würde dem nicht gerecht werden, dadurch das ich schon drei Beziehungen habe. Ich habe da im letzten Jahr eine komische Erfahrung gemacht. Ich habe immer gesagt: Ich kann dir nichts versprechen. Er hat das bejaht, aber hat dann doch immer etwas anders von mir erwartet. Und jetzt habe ich keinen Kontakt mehr mit ihm. Er ist ein ganz anderer Typ als du, aber das sind Dinge, über die ich mir Gedanken mache.

Er: Mach dir keine Sorgen!

Sie: Du hast Benni auch kennengelernt, meinen Mann. Ich habe ihn dir mal vorgestellt. Dann gibt es noch Markus und Steffen. Die drei kennen sich, aber haben keinen Kontakt. Ich fände es cool, wenn du einfach zu uns nach Hause kommen könntest, ohne dass es komisch ist. Man weiß nie was passiert. Aber das wäre mir wichtig. Ich weiß nicht, wie viele Leute du kennst, die so was machen.

Er: Ich habe das selbst auch schon ausprobiert.

Sie: Und?

Er: Ja, ist eine Erfahrung, man kann viel daraus lernen. Es war im Prinzip auch cool. Damals war die Beziehung am wichtigsten, sie stand im Vordergrund. Wir haben dann zusammen ausprobiert, gesagt: Lass uns mal gemeinsam gucken.

Sie: Ich muss jetzt nicht vor den Augen der anderen Beziehung küssen. Wir reden darüber, aber das ist alles. Ich habe einmal gesehen, wie Benni geknutscht hat. Das war nicht schlimm, aber ich muss es nicht jeden Tag sehen. Wir reden über alles, das andere muss nicht sein.

Er: Wenn man die Dinge komplett offen lässt, dann macht sich eh jeder seinen eigenen Film – und dann crasht alles.

Sie: Es gibt auch Leute, die sind zusammen und sagen: „Du machst das, was du willst, ich mache was ich will – aber lass uns nicht darüber reden.“ Das kann ich nicht. Ich sage gar nicht, dass das schlechter wäre. Aber das wäre nichts für mich. Ich finde das jetzt auch nicht immer einfach. Manchmal bin richtig schlecht darin, mit Eifersucht umzugehen. Aber das ist es mir allemal wert. Also Benni zum Beispiel kann viel besser damit umgehen.

Er: Ich merke auf jeden Fall: Du hast eine sehr, sehr spannende Seite. Ich habe gerade erste eine lange Beziehung hinter mir, habe nicht das Bedürfnis, mich direkt wieder hineinzuschmeißen, insofern bin ich locker.

Sie: Manchmal finde ich Bonn überhaupt nicht geeignet dafür. Deswegen stehe ich so auf große Städte, weil das einfacher ist.

Er: Stimmt schon, hier kennt man sich eigentlich.

Sie: Deswegen ist das praktisch, wenn sich das so auf verschiedene Städte verteilt. Aber ich habe mich trotzdem total gefreut, dass du dich gemeldet hast. Ich hatte gar kein schlechtes Gefühlt oder komisches – ich hätte das nach dem Abend nur nicht gedacht. Es geht gar nicht so gut, aus diesen Gläsern hier zu trinken.

Sie hält das Einmachglas hoch, in dem die Limonade serviert wurde.

Er: Ja, da hat man direkt den Löffel im Auge.

Sie: Ich habe gerade immer morgens, weil ich so viel Bahn fahre, Plastikbecher mit Tee dabei. Das ist bestimmt ganz schlecht. Vielleicht ist so ein Glas eine Alternative.

Küchenhelfer und Ganzkörpermassagen

Schreibe einen Kommentar

Thermomix
Teilen bei ...

Eine junge Frau Mitte/Ende 20, wasserstoffblonder Kurzhaarschnitt, setzt sich mit einer älteren Frau, vermutlich ihrer Mutter, an den Nebentisch.

Mutter: Guck mal, hier gibt es Bruschetta.

Tochter: Bestell es dir, wenn du Bock drauf hast.

Mutter: Du auch?

Tochter: Nein danke.

Beide schweigen sich eine Weile lang an.

Mutter: Magst du wirklich nichts?

Tochter: Morgen wollen wir dann Gnocchi machen.

Mutter: Auch in dem Teil?

Tochter: Ja, den Teig.

Mutter: Das ist aus gekochten Kartoffeln, oder?

Tochter: Ja. Gestern habe ich Brot gebacken.

Mutter: In dem Ding?

Tochter: Ja, den Teig. Das Brot muss dann in den Ofen. Ich hatte schon mehr Salz in den Teig gemacht, aber meiner Meinung nach musste noch mehr dran.

Mutter: Wie viel Salz hast du denn drauf gemacht?

Tochter: Einen Teelöffel, anderthalb? Wir haben extra eine Kuchenbackform gekauft dafür. Der Teig zerläuft ja sonst. Ja, mal gucken, was das Ding so kann. Das ist schon krass: Du tust da eine Zwiebel rein und innerhalb einer Minute ist die zerhackt, tust Öl dazu und in einer Minute ist sie angeschwitzt. Als wir die Hackbällchen gemacht haben, ist das aber an einer Stelle angebrannt. Da müssen wir jetzt mal gucken, ob das immer an der gleichen Stelle passiert.

Mutter: Na ja, da bin ich ja mal gespannt…

Die Kellnerin bringt für die Tochter einen Latte macchiato, für die Mutter eine kleine Tasse Kaffee.

Tochter: Das einzige, was scheiße ist, ist dass du den Topf von Aldi nicht in die Spülmaschine tun kannst, bei Thermomix kannst du das. Und der richtige Thermomix hat die Waage in dem Topf, unserer hat sie daneben. Also bisher bin ich absolut begeistert. Die Hackbällchen waren extrem lecker und schnell. Martin hält das Ding immer noch für eine Spielerei und rausgeschmissenes Geld.

Mutter: Hast du seitdem mehr eingekauft?

Tochter: Nee, aber mehr gekocht.

Mutter: Aber darüber freut er sich doch sicherlich.

Tochter: Ja, das stimmt.

Die Kellnerin bringt die Bruschette.

Tochter: Wir haben ja Freunde, die haben den richtigen Thermomix. Das ist schon toll. Trotzdem sind wir überrascht, was unserer alles kann. Zum Beispiel mahlen. Für das Brot habe ich da einfach die Körner reingeschmissen – und ein paar Minuten waren die gemahlen.

Mutter: Hast du denn wohnungstechnisch alles geschafft?

Tochter: Ja fast. Wir wollen halt seit anderthalb Wochen mal den Keller putzen.

Mutter: Magst du denn ein Stück probieren?

Tochter: Ja, gleich… Jetzt dachte ich, ich tue mir am Mittwoch mal was Gutes und gehe zur Thai-Massage. Eine vom Kickboxen hatte davon erzählt. Das geht 45 Minuten und kostet 32 Euro. Ich habe mir das auf der Seite angeschaut. Da stand „Thai-Massage“ und darunter „Rückenmassage“. Ich habe sie dann gefragt: „Wie, eine Thai-Massage ist keine Rückenmassage? Wo fassen die einen denn dann an?“ Sie: „Alles außer deine Brüste.“ Ich: „Wie, ich liege dann da in Unterwäsche?“ Sie: „Nee, nur in Unterhose.“ Ich so: „Nee, dann also definitiv keine Thai-Massage für mich!“ Jetzt muss ich mir etwas anderes überlegen.

Die Mutter schiebt ihrer Tochter den Teller mit der Bruschetta hin. Die schneidet sich ein kleinen Stück ab und schiebt es zörgerlich mit der Gabel in den Mund.

Mutter: Wenn du noch was möchtest, gern! Das Problem ist, dass das Brot so trocken ist.

Tochter: Weihnachten liegt ja so beschissen dieses Jahr.

Mutter: Ja?

Tochter: Wir haben nur einen Feiertag, das ist der Montag.

Erwachsene Kinder

Schreibe einen Kommentar

Erwachsene Kinder
Teilen bei ...

Eine Frau, Ende vierzig in dezent gemusterter Bluse, den blauen Pullover über die Schultern gelegt und vor dem Brustbein verknoten, sitzt mit einem etwa gleichaltrigen Mann mit silbernem Haar, kleinkariertem grauen Hemd und Brille beim Mittagssnack.

Sie: Wir fliegen von Köln-Bonn über London nach San Fransico. Finn hat da einen Freund aus Australien. Da sind wir dann drei Tage lang, dann 20 Tage im Yosemite National Park und so weiter. Also jedenfalls fünf verschiedene Nationalparks. Ich weiß nicht genau, wie die heißen. Finn hat einen SUV gemietet, der ein Dachzelt hat und einen Innenschlafraum. Unter der Heckklappe ist eine multifunktionale Bordküche. Ich habe ja keine Outdoor-Erfahrung. Ich denke, es ist gut, dass ich Sport mache, joggen gehe, dass ich fit bin.

Er: Ich habe von den USA gar keine Ahnung. Zu Camping in Deutschland kann ich dir etwas sagen.

Sie: Mein Vorteil ist, dass mein Jüngster super vorbereitet ist. Der hat eine Plan, eine Route, alles. Ich bin das erste Mal drei Wochen am Stück weg. Das wird nicht ganz preiswert. Finn sagt auch: „Mama, dann gibt es eben drei Wochen Beans und Spaghetti.“ Wenn wir wandern gehen, müssen wir die Vorräte in bärensichere Schließfächer tun.

Er: Der klopft dann einfach ans Fenster, oder was?

Sie: Ne, der soll angeblich nicht kommen, wenn man da ist.

Er: Weiß der Bär das?

Sie: Finn sagt: „Mama du nervst, das ist der weltweit meistbesuchte Nationalpark. Da passiert doch nichts.“

Er: Er hat wahrscheinlich recht. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass es abends langweilig wird.

Sie: Ich befürchte, dass wir abends nach dem Programm so platt sind, dass uns das aus nichts ausmachen wird. Ich nehme ein kleines Notfallpaket mit, denke ich.

Er: Blasenpflaster sind immer gut.

Sie: Ich denke, dass Wasser das Wichtigste ist.

Er: Mein Tipp: Immer weniger mitnehmen, als man meint.

Sie: Ich habe eine Mischung aus Reisetasche und Koffer. Ich war bei Globetrotter und habe mich beraten lassen, was ich als Handgepäck und Daypack nehmen kann. Ich habe da einen Rucksack gesehen. Das sind so Kleinigkeiten, die vorbereitet werden müssen. Ich bin froh, dass keine Animositäten zwischen den Geschwistern gibt. Die anderen sagen: „Mama, mach das.“ Das ist schon schön, mit dem eigenen Sohn unterwegs zu sein. Auf der anderen Seite fühle ich mich unsicher. Er hat mir einen Trail gezeigt, da muss man Reisetabletten gegen den Schwindel mitnehmen, so steil geht es seitlich hinab. Ich habe gesagt: „Da gehe ich nicht lang“.

Er: Er muss akzeptieren, dass er auch allein gehen oder sich mit anderen zusammentun muss.

Sie: Was mich beruhigt, ist, dass er kein Greenhorn ist. Er hat für sein Alter schon viel Erfahrung. Er fotografiert gerne, auch spektakulär. Das sehe ich mit gemischten Gefühlen. Mit mit den Kindern vereisen und die lehnen sich irgendwo drüber, um spektakuläre Fotos zu machen: Das kann ich mir immer noch nicht anschauen. Mit den Ältesten war ich spontan an diesem See in Italien, wo Christo seine Installation gemacht hat. Das war großartig. Allein mit den Kindern unterwegs: Das waren zwei sehr intensive Tage. Ist Lara eigentlich zurück?

Er: Ja, genau.

Sie: Und, die Reintegration ist immer etwas schwierig, oder? Das habe ich bei meinen gelernt.

Er: Ja, da ist schon eine gewisse Traurigkeit. Sie hat das so erklärt: Sie hat sich dort ein Leben aufgebaut, das musste sie jetzt verlassen. Sie weiß nicht genau, was machen sie soll, überlegt Sonderpädagogik zu studieren, macht aber erst mal Praktika.

Sie: Meine beste Schulfreundin, die in Kiel lebt, ist Sonderpädagogin und nur am Jammern: „Während ich vorher am Kind und mit dem Kind gearbeitet habe, sitze ich hier in den Klassen.“ Sie hält gar nichts von der Inklusion, solange die richtigen Strukturen nicht geschaffen werden.

Er: Ich versuche immer, Lara dahingehend zu beraten, dass sie sich in Richtung Regelschule orientiert. Aber davon will sie nichts wissen.

Sie: Vielleicht wird sie später noch wechseln. Für Sonderpädagogen ist es heute unheimlich schwer.

Er: Sie hat in ihrem Sozialen Jahr jetzt Erfahrungen gemacht. Sie sagt: „Ich kann das, ich kann mir das zutrauen.“ Es war natürlich sehr familiär dort, kein Work and Travel oder so. Lara braucht Strukturen, Menschen, die sie kennt. Das hatte sie dort, ein Nest.

Sie: Und der Paul?

Er: Der hat noch zwei Schuljahre.

Sie: Ach ja, nochmal Abifeier und das alles. Ich dachte, du wärst damit schon durch.

Er: Grrr, da freue ich mich jetzt schon drauf

Sie: Aber ihr macht mit ihm gemeinsam was, in den Ferien?

Er: Ja, ich denke schon.

Sie: Ich habe jetzt in Barcelona meine erste Hostel-Erfahrung gemacht. Ich habe mich vorher immer gefragt, was meine Kinder daran finden. Das Zusammentreffen mit anderen Leuten, Englisch als allgemeine Sprache, ein Netzwerk, von dem du zum Teil auch später noch was hast: Das ist schon toll. Du sitzt mit anderen an Tischen, kommst ins Gespräch. Das ist ganz anders als im Hotel. Dabei kommt gar nicht so sehr aufs Geld an, es ist ein Teil des Urlaub für die jungen Leute. Es geht mehr darum, über den Tellerrand zu blicken. Das war wirklich auch ein super Hostel. Pia meinte: Deine erste Erfahrung und dann direkt im Luxushostel!“ Das war trotzdem spottbillig.

Er: Ich bin auch nicht viel rumgekommen. Jedenfalls überlegen wir jetzt, ob wir umbauen. Wir richten Lara ein neues Zimmer ein, wenn sie noch ein paar Jährchen bleibt.

Sie: Das würde ich nicht forcieren. Es kann sein, dass sie schnell merkt, das die Fahrzeit nervt oder sie möchte auch mehr Teil der Studenten sein. Seitdem der Julius ein WG-Zimmer hat, ist das für ihn ein ganz anders Leben, mit den anderen vor Ort. Ich glaube, das ist auch gut für die Kinder, aber natürlich mit Kosten verbunden.

Er: Mal sehen, ich könnte die Kinderetage natürlich auch als Hostelzimmer vermieten.

Liebesgelübde

Kommentare 2

Teilen bei ...

Sieben Frauen um die 30 sitzen dicht gedrängt um den tiefen Tisch eines Bahnhofcafés und trinken Latte macchiato, heiße Schokolade, alle tragen Jeans und T-Shirt, die Mehrheit hat mehr oder weniger stark blondierte Haare.

Frau 1: Meine Eltern haben einen Bekannten, der hat alles verkauft – das Haus, das Auto – und sich ein Boot gekauft, auf dem er jetzt lebt. Meine Eltern haben gemeint, das wollen sie auch. Da habe ich gesagt: „Auf keinen Fall! Was, wenn bald Enkelkinder da sind. Du hast uns früher immer zur Oma gegeben. Das will ich auch.“

Frau 2: Glaubst du denn, die machen das wirklich?

Frau 1: Nein, ich glaube, die haben das nur so dahingesagt. Aber wer weiß. Das werde ich auf jeden Fall nicht zulassen.

Frau 3 blättert in einer Ausgabe der „InTouch“: So ein Blödsinn! Da trinkst du ein paar Smoothies und dann geht deine Cellulite weg? Wobei, die hier sollte lieber nicht so kurze Hotpants tragen! Sie zeigt das Heft in die Runde.

Frau 1: Ich finde, ein bisschen länger wäre schöner gewesen, okay. Aber nur weil du nicht so schöne Haut hast, musst du doch nicht immer in knielangen Sachen rumlaufen.

Frau 3: Aber wenn du einen dicken Bauch hast, trägst du den doch auch nicht nackt vor dir her.

Frau 1: Du bist auch so eine richtige Frau. Du guckst da hinterher und denkst: Wie kann die nur! Aber was macht ein Mädel, das etwas dicker ist, wenn sie ins Schwimmbad gehen will? Auch alles verstecken?

Frau 3: Ja gut, im Schwimmbad ist das was anderes.

Frau 1: Wenn sie sich so anziehen will, ist es doch vollkommen in Ordnung, selbstbewusst zu sein.

Frau 3: Ich bin mit Jungs groß geworden, ich weiß wie die labern.

Frau 1: Ich würde mich nicht nur wegen der Gesellschaft dazu zwingen, Sachen nicht anzuziehen.

Frau 3: Anne, ich hab mein Outfit für deine Hochzeit! Sie hält eine Seite mit Promis in Roter-Teppich-Roben hoch.

Frau 4: Aber das ist doch fast weiß!

Frau 1: Die gute Freundin von mir, die heiratet, hat gesagt, wir drei Mädels sollen etwas Gleiches anziehen. Aber wir haben nicht so viel Geld, um uns alle das gleiche Kleid zu kaufen. Außerdem gefällt der einen bestimmt nicht, was den anderen gefällt. Wir haben jetzt überlegt, eine Sache gleich zu kaufen. Aber die muss ja zu allen drei Kleiderfarben passen. Wir haben an weiße Blumen im Haar gedacht. Aber darfst du als Nicht-Braut eine weiße Blume im Haar haben?

Frau 5: Das ist doch heute gar nicht mehr so strikt.

Frau 3: Guck doch einfach, wenn ihr alle euer Outfits habt, welche Farbe ihr nehmen könnt, die zu allen passt.

Frau 1: Andere Frage: Wie viel Geld schenkt man? Meine Mutter sagt: „ 50 Euro musst du allein für das Essen geben“. Aber wir sind alle Studenten. Die Trauzeugin hat gesagt, sie schenkt eine Polaroid-Kamera und das war’s.

Frau 3: Echt? Marius Trauzeuge hat 500 Euro gegeben. Wir haben bei uns ganz genau aufgeschrieben, wer wie viel gegeben hat. Das musst du auf jeden Fall machen. Weil, wenn du dann dort eingeladen bist…

Frau 2: Aber du musst auch das ganze Outfit und so weiter bezahlen. Es ist ja auch richtig, zu einer Hochzeit gut angezogen zu gehen, du machst dich doch heutzutage selten genug so fein.

Frau 1: Bringt Tina ihren Freund mit?

Frau 2: Ich weiß nicht, sie sind ja noch nicht so lange zusammen.

Frau 1: Ist das noch nicht spruchreif?

Frau 2: Doch, doch. Der ist sehr nett.

Frau 1: Wie alt ist sie jetzt?

Frau 2: 29.

Frau 3: Was? Ich hätte die auf 25 geschätzt.

Frau 2: Ich finde es ganz komisch, dass jetzt bei mir schon die Drei davor steht. Das ging so schnell jetzt.

Frau 3: Ich weiß noch, ich war mit Minis jüngerer Schwester befreundet. 31 war für mich alt. Mini hat in ihrer Einzimmerbude gewohnt, hatte noch keinen Mann abgecheckt, keine Kinder. Das fand ich krass. Das habe ich ihr dann auch so gesagt. Von da an war sie nicht mehr so gut auf mich zu sprechen. Lacht. Und jetzt bin ich fast 30. Okay, ich bin verheiratet, aber sonst?

Frau 4: Es kommt eben immer was dazwischen.

Frau 5: Ich kann ja nicht aufhören zu studieren, anfangen zu arbeiten, ein Jahr arbeiten und dann zu meinem Chef sagen: „Übrigens, ich bin schwanger“. Das geht einfach nicht.

Frau 1: Meine Cousine hat am See am Strand geheiratet.

Frau 3: Oh, das ist romantisch! Mein Vater hat gesagt: „Unter freiem Himmel geheiratet wird nicht. Du brauchst was über dem Kopf.“ Deswegen die Kirche. Ich habe einen Glauben, aber die Kirche ist schon ein bisschen Scharlatanerie. Die machen auch viel Gutes. Ich glaube, es gibt Schlechteres. Aber das war schon anstrengend mit denen. An einer Stelle bei den Vorgesprächen habe ich zum Pfarrer gesagter: „Ich glaube, ich heirate lieber evangelisch, ihr Katholiken seid mir zu anstrengend!“

Frau 5: Wollt ihr euch denn ein persönliches … Wie heißt das? Liebesversprechen?

Frau 4: Liebesgelübde?

Frau 3: Ehegelübde!

Frau 5: Genau! Ehegelübde geben?

Frau 2: Ich glaube, ich kann an dem Tag gar nichts selbst machen. Ich würde mich fremdschämen.

Kaffee ohne Sätze

Schreibe einen Kommentar

Teilen bei ...

An einem Donnerstagvormittag:

Bei Starbucks reden die Menschen am Nebentisch nicht. Sie sitzen vereinzelt in tiefen Sesseln vor kleinen Tischen und großen Kaffeebechern, einige schauen nach draußen, andere auf Bildschirme – und schweigen.

Trennungen und Tinder

Schreibe einen Kommentar

Teilen bei ...

Ein Mann und eine Frau, beide um die 30, sitzen sich im Café gegenüber. Er trägt einen lachsfarbenen Pullover über einem weißen Poloshirt, sie Jeanshemd und dunkelroten Nagellack.

Sie: Ich bin super viel unterwegs.

Er: Mit deinen Studenten, oder was?

Sie: Genau.

Er: Warst du in Paris, als das mit den Terroranschlägen passiert ist?

Sie: Nein, wir waren eine Woche vorher mit meinen Studenten da. Es war wie immer super schön. Ja und dann passiert das …

Er: Krass. Schlag doch mal München vor!

Sie: Ich bin in München, im August.

Er: Dann musst du mich besuchen kommen.

Sie bekommt ihre beiden Sandwiches serviert.

Sie: Willst du auch was?

Er: Ich essen kein Toast.

Sie: Sicher?

Er: Nein, ich esse wirklich kein Toastbrot.

Sie: Achtest du so auf Kohlenhydrate oder was?

Er: Ja, sieht man das nicht? Ich bin in shape. Lacht.

Sie: Ja, echt in shape!

Er: August ist echt die beste Zeit. Der Sommer in München ist schon schön.

Sie: Vielleicht bist du dann aber schon in Essen.

Er: Du hattest erzählt, dass du auch mal was ändern möchtest beruflich …

Sie: Ja, Wirtschaftsförderung möchte ich gerne mache, ist aber schwierig.

Er: Warum?

Sie: Es gibt nur wenige Jobs.

Er: Fühlst du dich denn unwohl?

Sie: Ich fühle mich superwohl. Ich liebe das Team, aber ich will mal was anders machen. Ich bin jetzt fünf Jahre da, nach fünf Jahren sollte man wirklich wechseln.

Er: Wie lange bist du jetzt schon von deinem Freund getrennt?

Sie: Zwei Jahre.

Er: Warum habt ihr euch denn getrennt?

Sie: Der nächste Schritt wäre gewesen, zu heiraten und so. Ich bin ja eigentlich mega entspannt.

Er unterbricht sie: Manchmal bist du zu entspannt, vielleicht sogar unterkühlt, wo man sich fragt: Wo ist da die Leidenschaft?

Sie: Ich hatte das Gefühl: Der nächste Schritt müsste jetzt kommen. Aber von ihm kam nichts. Er wusste nicht, was er will. Die Trennung war genau richtig. Besser jetzt, als mit 40. Ich finde schon jemand anderen.

Er: Meine Schwester hat einen Freund, der ist 35 und weiß nicht, was er will. Ich habe gesagt: „Schmeiß den Weg, Mann! Was willst du mit einem Typen, der Mitte 30 ist und nicht weiß, was er will?“

Sie: Eine Freundin von mir ist vor Kurzem mit ihrem Freund zusammengezogen. An einem ganz normalen Donnerstagabend sitzen beide vor dem Fernseher, plötzlich klingelt es an der Tür. Eine Frau steht davor, und behauptet, die Geliebte des Freundes zu sein.

Er: Come on!

Sie: Er hat nur gesagt: „Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte“, hat seine Jacke genommen und ist mit der Frau weg.

Er: Ist nicht dein Ernst! Wie lange waren die beiden zusammen?

Sie: Vier Jahre. Sie ist total fertig. Sie hat nichts bemerkt.

Er: Ein Freund von mir, der war auch schon ewig mit seiner Freundin zusammen, da hat er angefangen zu sagen: „Ich brauche Action, ich brauche Abenteuer“. Ich habe immer nur gesagt: „Lass es sein“. Einmal waren wir feiern. Ich trinke ja wenig und wollte irgendwann nach Hause. Er ist noch geblieben. Am nächsten Morgen ruft er mich an: „Du musst mir helfen. Ich habe eine Frau mit nach Hause genommen. Meine Freundin kommt gleich zurück.“ Ich bin habe ihm gesagt: „Du bist der dümmste Mensch. Du musst sofort eine Grundreinigung machen, aber so, dass sie das nicht merkt.“ Er hat gesagt: „Du musst kommen und mir helfen.“ Ich bin dann hin und wir haben alles sauber gemacht, aber dann wieder etwas unordentlich, damit die Freundin nichts merkt. Ihr kam das natürlich dann doch komisch vor, dass alles so sauber war. Um 23 Uhr ruft er mich an: „Wir haben etwas Wichtiges vergessen.“ In der Bettrille war die Unterwäsche von dieser Frau. Die beiden hatten auch schon alles geplant, Familie, Hochzeit und so weiter. Sie hat ihn sofort verlassen. Ich habe nur gesagt: „Du bist echt der dümmste Mensch“. Sie hat zu mir gesagt: „Warum ausgerechnet in unserer Wohnung, die wir zusammen eingerichtet haben? Wenn ich ein Haargummi oder so was gefunden hätte, hätte ich ihm vielleicht verziehen.“ Er bereut es bis heute, aber sie ist raus, game over. Von da an ging es mit ihm bergab.

Sie: Wie du sagst: selber schuld.

Sie schiebt ihm den übrig gebliebenen zweiten Sandwiches hinüber. Er fängt an zu essen.

Er: Das ist aber mächtig, oder?

Sie: Ja, aber lecker oder?

Er: Ja, kann man essen.

Sie: Meiner Freundin geht es jetzt schrecklich. Sie fragt sich: „Was hat er für ein Doppelleben geführt?“

Er: Ja, wie geht das?

Sie: Sie hat schon gearbeitet und er hat noch studiert. Aber abends waren sie ja immer zusammen.

Er: Wie alt ist der denn?

Sie: 33. Er braucht etwas länger für seine Masterarbeit.

Er: Das ist es halt: Wenn du Student bist, hast du viel Zeit und kommst auf böse Gedanken.

Sie: Es war alles wie immer, das ist ja das fiese. Keine Anzeichen dafür, dass er unglücklich ist. Ich bin sofort zu ihr hingefahren. Das Mädchen hat wohl zu ihm gesagt: „Wenn du es nicht machst, sagt ich es ihr“.

Er: Dann lief das schon länger?

Sie: Ich glaube schon. Wenn du als Frau sowas machst, dann hast du irgendeinen Anspruch auf den Mann. Das machst du nicht, wenn du drei Wochen lang mal so ein bisschen rumgemacht hast. Jetzt meldet er sich, und sagt, es tut im leid.

Er: Ich habe viele in meinem Freundeskreis, die im Moment so was durchleben. Das hat auch mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun. Es gibt ja dieses Tinder, diesen Bullshit, wo ich immer frage: „Was willst du da?“.

Sie: Ich habe das auch mal gemacht.

Er: Du warst bei Tinder? Krass. Und wie war das?

Sie: Als Frau hast du natürlich viele Matches, aber ich habe nur drei Leuten getroffen. Das eine Mal war fürchterlich. Wir haben vor dem Treffen über vieles gesprochen, aber nicht über die Größe. Wir haben uns in Düsseldorf getroffen. Als ich ihn gesehen habe: Krass war der klein! Ich bin auf ihn zugegangen, er wurde immer kleiner. Da war schon klar: Das wird nichts. Aber ich dachte mir: Man kann ja trotzdem was zusammen trinken. Da sagt er zu mir: „Du bist ja riesengroß für ne Frau. Das hättest du mir sagen sollen!“ Ich habe gesagt: „Was ist das denn für eine Begrüßung? Ich spare uns beiden die Energie und fahre wieder nach Hause.“ Ich habe aber auch zwei getroffen, die echt nett waren, aber es hat nicht gefunkt. Ich fand Tinder echt lustig.

Er: Aber jetzt bist du abgemeldet.

Sie: Es ist halt eine coole Art abends zu chatten. Es ist aber nichts für Leute, die keine Zeit haben. Ich lerne auch so Leute kennen. Wir haben uns auch auf der Messe kennengelernt.

Er: Ich habe meinem Freund, der damals dabei war, erzählt, dass wir immer noch Kontakt haben. Er meinte: „Echt? Krass!“. Ich habe gesagt: Klar, sie ist eine Traumfrau. Es ist echt krass heutzutage, wo man sich so schnell verliebt, dass wir immer noch Kontakt haben.

Sie: Stimmt.

Er: Ich habe auch meiner Schwester davon erzählt. Sie hat gesagt: „Allein deswegen musst du nach Essen kommen“. Es ist immer ein Highlight, wenn ich dich sehe.

Sie: Ich finde es jedenfalls cool, dass du so spontan nach Bonn gekommen bist.

Entwicklungsschritte

Schreibe einen Kommentar

Teilen bei ...

Ein junges Pärchen Anfang dreißig mit Säugling lässt sich am Nebentisch nieder. Sie: lange Haare, Pony, runde Brille. Er: Schirmmütze auf dem rasierten Schädel, rötlicher Vollbart.

Sie: Ich glaube, die fanden uns nett.

Er: Ja, auf jeden Fall.

Beide tippen auf ihrem Smartphone herum.

Baby: Uuuarrg.

Sie: Bist du süß! Ich finde es gut, dass sie mit anderen Kindern unterkommt. Je früher, desto besser!

Er: Aber nur bis 14 Uhr. Wie soll das gehen?

Sie: Wir sollten schauen, dass wir jemanden finden, der sie um 14 Uhr abholen kann, jemanden, der sie nachmittags betreut.

Er: Aber 20 Euro die Stunde wird man da hinlegen müssen.

Baby: Uuuarrg.

Sie zum Baby: Du bist eine verrückte Nuss, Baby!

Sie zu ihm: Ich fände es jedenfalls schön, wenn wir diesen Platz kriegen, ab August dann, oder September, nach dem Urlaub.

Er nimmt das Baby auf den Schoß.

Er: Du kleines Monster, du haariges Baby!

Sie: Ja, Haare hat sie wirklich überall.

Er: Dafür sitzt sie aber nicht sehr stabil.

Sie: Das ist schon komisch mit den Entwicklungsschritten. Es gibt auch Kinder, die laufen zuerst und krabbeln dann. Oder es gibt Kinder, die sitzen erst ganz spät. Oder es gibt Kinder, die wollen keinen Brei, nur Milch. Damit haben wir ja wahrlich kein Problem.

Beide bekommen ihr Frühstück, er vegan, sie griechisch.

Er: Könnte ich bitte zusätzlich noch zwei Spiegeleier bekommen?

Kellnerin: Einfach zwei Spiegeleier?

Er: Ja, genau.

Sie: Schafskäse, auch schlecht für die Figur. Seufzt. Ich bin eben eitel, aber das ist auch gut so. Du darfst dich gerne auch bei mir bedienen.

Er: Möchtest du etwas von meinem?

Sie: Ja, bitte.

Die Garage

Schreibe einen Kommentar

Teilen bei ...

Zwei alte Frauen, nennen wir sie Lore und Grete, die eine mit kurzen weißen, die andere mit kurzen aschgrauen Haaren, sitzen vormittags bei Lachsbrötchen, Rührei und Sekt zusammen.

Lore: Komm, iss noch ein bisschen Rührei!

Grete: Danke, ich bin schon satt. Diesmal sind die Eier aber besser als beim anderen Mal. Also, nur dazusitzen und Kaffee zutrinken, wie bei Thomas und Annemarie, das kann ich auch zuhause.

Lore: Ja, und immer dieses Reden über andere. Das ärgert mich – über die Männer, weißt du, so primitiv.

Grete: Aber ich glaube, die haben gemerkt, dass ich nicht so viele Antworten gegeben habe.

Lore: Ich habe mit meinem Sohn Horst gesprochen. Der fragte: „Mama was machst du denn in diesem Jahr im Urlaub?“ Ach, ich habe soviel von der Welt gesehen, ich brauche mit meinen fast 80 Jahren nicht mehr durch die Welt reisen. Wie es aussieht, kann er dieses Jahr aber auch nicht fahren. Er hat eine Geschäftsumstellungen. Der hat ja 161 Mitarbeiter.

Grete: Mein Mann war nicht Chef, aber ich kenne das von seiner Arbeit. Das ist nicht so einfach, du musst auch den Kopf dazu haben.

Beide beißen in ihre Lachsbrötchen und schweigen.

Grete: Es ärgert mich jedes Mal, wenn ich bei denen bin: diese ganzen Besprechungen. Das geht die alles nichts an.

Lore: Mein Sohn Horst stellt öfter sein Auto in meiner Garage ab. Da muss ich Helene ein großes Kompliment machen. Sie würde niemals fragen: „Warum braucht der Horst deine Garage?“ Annemarie und Thomas: Die fragen.

Grete: Aber der Thomas bestimmt ja über Annemaries Kopf hinweg. Wenn mein Mann noch am Leben wäre, der würde sich ärgern.

Lore: Selbst ich frage den Horst nicht. Wenn er sagt: „Mama, ich brauche die Garage“, dann ist das okay.

Grete: Du musst Vertrauen haben.

Lore: Er hat nur zu mir gesagt: „Mama, ich weiß, du hast Vertrauen zu mir, ich mache nichts Unrechtes.“

Grete: Das ist das Wichtigste.

Lore: Sein Depot ist ja in Godesberg, der kommt quasi bei mir vorbei. Er muss auch oft nach Rostock. Er fährt dann mit dem Zug oder Flugzeug. Dann stellt er das Auto in meine Garage. Was geht sie das an?

Lore: Und wenn meine Enkel kommen, fragen Thomas und Annemarie: „Warum sind deine Enkel wieder da?“

Grete: Das machen sie nur, weil sie zu ihnen nie kommen oder nur zum Geldabholen. Oder diese Frage immer bei mir: Kommen deine Kinder nicht? Die mag ich nicht.

Lore: Wir waren Familienmenschen. Aber bei denen siehst du das nicht. Dann kannst du auch nicht erwarten, dich mit denen vernünftig zu unterhalten. Das kannst du ja auch an Helene und Annemarie sehen.

Grete: Was kannst du über diese Freundschaft sagen? Das ist Ausbeutung, keine Freundschaft. Helene ist mit ihr ins Krankenhaus gefahren. Was hat sie bekommen? Ein Dankeschön?

Lore: Helene hat sich darüber auch mal bei mir beschwert. Aber ich rede da ja nicht drüber.

Grete: Sie könnte ihr einen großen Blumenstrauß schicken, so arm ist sie nicht, aber Lotte: Die kennen das von Zuhause aus nicht! Ich brauche jedenfalls von denen keine Hilfe! Das wäre für mich Bettelei.

Lore: Ich rufe meine Tochter Klara immer morgens an, und meinen Sohn Horst abends.

Grete: Das wünsche ich mir auch. Das fehlt mir: solche Besprechungen, wie jetzt mit dir.

Lore: Ich konnte ja die letzten Jahre mit meinem Mann nicht mehr sprechen, aber er saß wenigsten da und hielt meine Hand.

Grete: Schon komisch, dass die Männer alle früher gehen als die Frauen, oder?

Allgemeingültiges Signal für Hilfe

Kommentare 2

Teilen bei ...

Zwei Nerds um die 30 sitzen sich am Nebentisch gegenüber. Er trägt schwarze Kordhose, graues Hemd, Nerdbrille; sie schwarze Stoffhose, schwarzen Rollkragen-Pulli, darüber eine lange graue Strickjacke, Brille mit schmalem Rand, die langen schwarzen Haare zum Pferdeschwanz gebunden.

Sie: Ich habe meinen Kuchen nicht bekommen.

Er: Was soll ich tun? Schreien? Auf den Boden werfen? Um Hilfe rufen?

Sie: Nein danke.

Er: Oder: Das allgemeingültige Zeichen für Hilfe machen?

Fuchtelt mit den Armen.

Sie: Was?

Er: Na, Team America.

Sie: Hä?

Er: Der Film?

Sie: Kenne ich nicht, habe ich noch nicht mal was von gehört.

Er: Wie, den kennst du nicht? Den musst du aber kennen!

15 Minuten später

Er: Du hast die Gabel ausgesaugt – bis zum letzten Schokoatom … Sollen wir zum eigentlichen Thema dieses Treffens kommen?

Sie: Ich war überrascht, dass du das angesprochen hast. Um es direkt zu sagen: Ich treffe mich gerne mit dir. So wie es jetzt ist. Aber ich will nicht mehr. Ich hoffe, ich habe mich nicht so verhalten, dass es etwas anderes nahelegt.

Er: Ich habe es angesprochen, weil ich es ansprechen wollte, nicht, weil sich etwas ändern muss.

Sie: Soll ich mich anders verhalten?

Er: Ich kann mit einem Nein sehr gut leben. Ich hatte nur keine Lust, anderthalb Jahr hinter jemandem her zu sein und immer zu hoffen: Vielleicht klappt es ja doch. Deswegen habe ich mir gedacht, dass ich die Situation ansprechen sollte. Wenn man es Jahre gären lässt, ist das blöd.

Sie: Stimmt. Das ist für beide Seiten schlechter. Daran kann eine Freundschaft kaputt gehen, was schade wäre.

Er: Was definitiv schade wäre.

Sie: Ich habe nicht angenommen, dass du dich auf den Boden wirfst und anfängst zu weinen.

Er: Nicht? Soll ich?

Sie: Nein, das wäre mir sehr unangenehm,

Er: Oder so: Willst du mich heiraten? Wie in Frozen.

Sie: What?

Er: Keine Angst: Im not going to.

Sie: So ist es.

Er: Thema klar?

Sie: Yeah! … Also, nicht „yeah“. Yeah, für erledigt!

Beide schweigen.

Er: Dienstagabend Oper steht, richtig?

Sie: Von wem ist die noch?

Er (zückt sein Smartphone): Warte, ich schaue nach. Zitat eines Freundes: „Wenn du Puccini sagst, stimmt es fast immer“.

Sie: Zumal wir wissen, dass sie nicht von Verdi ist, richtig?

Er (hält sein Smartphone hoch): Hallo, ich habe LTE!

Sie: Weiß dein Handy das? Weiß es der LTE-Mast?

Er: Roméo und Juliette von Charles Gounod. Libretto, lyrischer Koloratursopran, dramatische Symphonie, interessant.

Sie: Klingt gebildet.

Er: Eher nach Bullshit-Bingo. Das geht übrigens auch super bei der Arbeit.

Sie: Das würde ich mich nicht trauen. Aber wenn bei uns die Marketing-Leite anfangen … „Key-Visual“.

Er: Oder „Cross Selling“.

Sie: Was ist das nochmal?

Er: Ich schaue mal nach, bevor ich etwas Falsches behaupte. Zückt wieder sein Smartphone. Der Verkauf von sich ergänzenden Produkten. Ich verkaufe A, dazu passt perfekt B und es kommt noch der Consultant dazu.

Sie: Genau, das ist aber enorm wichtig, weil die Margen für Software nicht so groß sind.

Er: Stimmt. Am Montag geht die 40-Stunden-Woche los? Das ist schon eine Umstellung, wenn man das noch nie hatte.

Sie: Ich fürchte, da muss man dann eben priorisieren.

Er: Es fallen eben Sachen hinten runter, wo man sagt: nope, nope und nope.

Sie: Gut, dann wird bei mir eben nicht mehr geputzt und aufgeräumt.

Er: Das sind alledings Sachen, die bei mir ganz oben stehen.